Das Parforcejagdhorn entstand um 1700 in Frankreich als Horn, welches bei Reitjagden (Parforcejagden) über die Schulter gehängt mitgeführt werden konnte. Die Instrumente waren meist in Stimmung D-Dur und hatten daher eine Rohrlänge von ca. 4,45 Metern. Zunächst eineinhalbwindig gebaut, setzte sich im Laufe des 18. Jahrhunderts eine zweieinhalbwindige Bauweise durch.  

Ein- und zweieinhalbwindige Parforcejagdhörner des 18. Jahrhunderts im Jagdschloss Kranichstein bei Darmstadt
Ein- und zweieinhalbwindige Parforcejagdhörner des 18. Jahrhunderts im Jagdschloss Kranichstein bei Darmstadt

 

Solche Hörner fanden auch in der Kurpfalz am Hof des Kurfürsten Karl-Theodor Verwendung. Für seine Parforcejagden lies er eigens den Karlsstern im Käfertaler Wald anlegen und auch in Nähe des Schwetzinger Schlosses wurden solche Jagden abgehalten.

 

"Cor Dauphin": Französisches Parforcejagdhorn in D-Dur aus den 1790er Jahren mit 2,5 Windungen. (Dauerausstellung Museum Kremsmünster, OÖ)
"Cor Dauphin": Französisches Parforcejagdhorn in D-Dur aus den 1790er Jahren mit 2,5 Windungen. (Dauerausstellung Museum Kremsmünster, OÖ)

 

Im 19. Jahrhundert wurden dann auch Hörnern mit drei Windungen gebaut. In Frankreich finden heute fast ausschliesslich solche "Trompe de Chasse" genannten Hörner in der Tonart D-Dur Verwendung. In deutschsprachigen Raum, vor allem durch den kaiserlichen Hof in Wien beeinflusst, setzte sich die Tonart Es-Dur durch.  

 

Zwei Hörner aus Wiener Produktion, 2. Hälfte 19. Jh. Links ein Horn mit dreieinhalb Windungen, rechts ein Horn aus dem Besitz des berühmten Hornisten Josef Schantl mit zweieinhalb Windungen. Beide Hörner sind in der Tonart Es-Dur. (Sammlung Pizka)
Zwei Hörner aus Wiener Produktion, 2. Hälfte 19. Jh. Links ein Horn mit dreieinhalb Windungen, rechts ein Horn aus dem Besitz des berühmten Hornisten Josef Schantl mit zweieinhalb Windungen. Beide Hörner sind in der Tonart Es-Dur. (Sammlung Pizka)
Zwei Parforcejagdhörner in Es-Dur, hergestellt vom Musikhaus Beck in Dettingen an der Erms, 2010er Jahre. Unten ein Horn mit dreieinhalb Windungen, oben ein Horn mit zweieinhalb Windungen. Seit 2016 bläst die JBG Schriesheim auf Beck Parforcehörnern.
Zwei Parforcejagdhörner in Es-Dur, hergestellt vom Musikhaus Beck in Dettingen an der Erms, 2010er Jahre. Unten ein Horn mit dreieinhalb Windungen, oben ein Horn mit zweieinhalb Windungen. Seit 2016 bläst die JBG Schriesheim auf Beck Parforcehörnern.

 

Als das Parforcejagdhorn in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Deutschland seine Renaissance erlebte, entschied man sich für die Tonart Es-Dur. Das bedeutet, dass unsere Hörner eine Rohrlänge von 4,15 Metern haben. Der Grundton ist der Ton "Es", darauf baut die Naturtonreihe auf, welche ca. 16 Töne umfasst. Während im Bass nur wenige Töne spielbar sind, werden die Abstände zwischen den Naturtönen nach oben immer kleiner. Das bedeutet, dass sich Melodien nur in der oberen Tonlage blasen lassen.

Der Abstand der Naturtöne zueinander ist bei allen Blechblasinstrumenten gleich. Lediglich der Grundton, bzw. die roten Punkte in der Grafik oben, verschieben sich in Abhängigkeit der Rohrlänge. Physikalisch ist die Naturtonreihe nach oben hin unbegrenzt, aber nur sehr geübte Bläser können Töne über dem 12. Naturton sicher anspielen. Bei den kleineren Fürst Pless-Hörner kann aufgrund der Bauweise (geringere Länge, dickeres Blech) nur der 2. bis 7. Naturton angeblasen werden. Der 1. Naturton liegt eine Oktave tiefer als der oben notierte 2. Naturton und spielt musikalisch keine Rolle.

 

Notiert wird bei Naturtoninstrumenten immer in C-Dur. Es ist somit ohne weiteres möglich Noten zu verwenden, die z.B. für Alphörner in F-Dur oder Trompe de Chasse in D-Dur gesetzt wurden.

Jagdhornbläsergruppe

Schriesheim e.V.

Joachim Nelles

Bergstraße 6
69488 Birkenau

joachim.nelles@gmx.net
Tel.: 0 62 01 46 98 38